Twitter- Ein Selbstversuch

Seit gefühlten zwei Jahren werde ich von Christian Spannagel auf die Vorteile von Twitter hingewiesen und aufgefordert endlich auch zu twittern. Da mich die Entgrenzung zwischen Beruflichem und Privaten stark beschäftigt, habe ich twittern bisher abgelehnt. Wo soll da eigentlich ein Mehrwert liegen, wenn ich lese was Herr X und Frau Y so tun. Zugegebenermaßen bin ich aber immer wieder auch am „lauschen“ was im Twitteruniversum so los ist. Durch meine berufliche Tätigkeit und die Bildungsexpedition kenne ich Menschen die twittern persönlich und da obsiegt die Neugier mal reinschauen, was die so twittern.

Nach langem Überlegen habe ich mich nun entschieden selber zu twittern. Wie bei allen Web 2.0 Anwendungen bin ich  der Ansicht, dass man es selber ausprobieren muss, um darüber zu urteilen. Also, account gemacht und losgezwitschert http://twitter.com/dankegang

Seltsam ist es schon, dass mir nach zwei Tagen jemand folgt, den ich a) nicht kenne und der b) eine überregionale Zeitschrift im Rhein-Main Gebiet publiziert. Enttäuschend finde ich, dass die Suche nach Personen zu accounts führt die teilweise seit Jahren nicht mehr twittern oder ihre tweets gesperrt haben. Spannend dagegen ist die Funktion tweets nach Schlagworten zu durchsuchen: Eine Suche nach Eyetracking brachte mir auf einen Schlag doch zumindest neue Erkenntnisse in Studien, die ich so bisher noch nicht kannte.

Eine „Evaluation“ zu dem Selbstversuch wird laufend erfolgen. Ich schau einfach mal, wie sich das entwickelt.

Eyetracking

Nach Bildungsexpedition und Delfitagung bin ich wieder im „normalen“ Wissenschaftsbetrieb angekommen. Das Semester hat gut begonnen und gemeinsam mit Studierenden ertselle ich einen Fragebogen zum Thema Respekt im Sport. Erstaunlich, wie schnell das projektorientierte Arbeiten vorangeht und mit welcher Motivation die Studenten dabei sind. So macht Lehre Spaß!

Seit einigen Wochen erstelle ich systematisch veränderte Benutzungsoberflächen in dem dynamischen Geometriesystem Cinderella. Gemeinsam mit Christian Spannagel erforsche ich die Auswirkungen von sogenannten reduzierten Benutzungsschnittstellen. Dazu findet in zwei Wochen ein Experiment mit 60 Teilnehmern statt. Wir nutzen dazu unseren Eytracker und die Software Nyan.  Ich bin schon gespannt, wie das abläuft und welche Ergebnisse wir erzielen.

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Wissenschaft 2.0

Vor 10 Tagen hat Christian Spannagel einen Artikel den wir gemeinsam für die Delfi geschrieben haben in die neue Community „Bildungs-) Wissenschaftler 2.0″ eingestellt. Die Community soll einen  öffentlichen Dialog zwischen Menschen ermöglichen, die sich mit Themen aus dem Kontext Bildung beschäftigen. Weiter soll ein konstruktives Peer Reviewing ermöglicht werden, bevor Artikel für Zeitschriften, Bücher oder Konferenzen eingereicht werden.

Mein erster Gedankengang war: „Oh je, wieder eine neue Community, die ich verfolgen soll und die dann entweder einschläft oder überläuft. Ich war mehr als erstaunt und total überrascht, dass nach wenigen Tagen Gabi Reinmann (die ich bisher nur aus der Literatur „kenne“) unseren Artikel ausführlich und konsuktiv kommentiert hat! Ich habe daraufhin einen Artikel von Andrea Back und Ihrem Mitarbeiter kommentiert und freue mich schon riesig auf den weitern Austausch!

einfach machen

Auf dem Educamp habe ich Friedel Völker vom Stadwiki Pforzheim kennengelernt. Wir haben den Gedankengang entwickelt, dass evtl. meine Teilnehmer an der PH Ludwigsburg mal an einem Wikiartikel schreiben. Ich habe die Idee gerne aufgegriffen und meinen Studenten das Stadtwiki von Ludwigsburg gezeigt. Da gab es doch tatsächlich noch nichts zur PH!

Die Motivation war zu Beginn gering, die Vorbehalte dafür umso größer. Mittlerweile füllt sich die PH Seite auf dem Wiki und die Studenten sind vom Ihren eigenen Fähigkeiten und dem bisherigen Ergebniss überrascht! Neben dem Schreiben von Text steht nun das Einfügen von Bildern auf der Agenda. Dafür habe ich meinen Teilnehmern meine Digitalkamera geliehen und was da innerhalb von 30 Minuten an Fotos gemacht  wurde hat mich überrascht.

Educamp und Edupunk

Ich bin derzeit auf dem Educamp in Ilmenau und das ist genau der richtige Platz und der richtige Moment um zwischen einigen Vorträgen meine Gedankengänge zu sortieren:

„Pimp up your education- from standard learner to Edupunk“, so der programatische und sperrige Titel der Veranstaltung und der gestrigen Podiumsdiskussion. Das Wort Punk als subversive Bewegung, primär- aber nicht ausschliesslich- aus der Musik bekannt, hat für mich eigene biographische Konotationen. So konnte ich u.a. die Dead Kenedys live erleben, aber auch lokale Bands wie die Fucking Gute Bürger Band aus Stuttgart gehören zu meiner musikalischen Musiksozialisation. Ich verbinde musikalisch damit eher etwas Lautes, Destruktives und Protestierendes.Über die Musik hinaus steht Punk für mich aber auch für etwas das mit Spaß und Emotionen zu tun hat. Hier wurde das Thema  heute durch den Vortrag von Steven Wheeler präzisiert:

Er verbindet mit der Analogie Punk und Bildung u.a. die Änderung des Settings von Lehrveranstaltungen, die Verringerung des Abstandes zwischen Zuhörern (Lerneren) und Musikern (Lehrenden), die Abkehr von kommerziellen Lösungen wie Lernplattformen und Learning Management Systemen, das Ausprobieren und das Selberschaffen von Werkzeugen.

Durch meine eigenen Lern- und Lehrerfahrungen weiss ich wie mühsam- aber auch wir bereichernd- die Umsetzung der o.g. Punkte in der Realität sind. Mich selbst als Lerner in einer eigenen Lehrveranstaltung zu begreifen und so die Distanz zu verringern, spontan Vorschläge eine Web 2.0 Anwendung in einem Seminar aufzugreifen anstelle der Lernplattfom der Hochschule nutzen, das macht nicht nur Spaß, sondern bringt auch die Emotionen ins Spiel!

Lehren als Lernbehinderung?

Durch die Diskussionen um LdL angeregt, haben mich grundsätzliche Gedankengänge zum Thema Lernen und Lehren bewegt:

Das „Problem“ des Lernens und Lehrens hat für mich besonders prägnant Klaus Holzkamp formuliert. Bereits 1991 veröffentlicht wurde der Aufsatz „Lehren als Lernbehinderung“

Hier weisst Holzkamp unter anderem auf, dass das Lehren und Lernen eine (schul-) strukturelles Problem ist und das die Institution Schule mit ihren Kontrollmechanismen per se schon Widerstände bei den Lernenden erzeugt.

Diese Widerständigkeit gilt es meines Erachtens als Lehrperson wahr- und ernstzunehmen. Die Reflektion dieser Widerständigkeit und das Nachdenken über die eigene Bildungssozialisation kann dann zu einem anderen Lehrverhalten führen.

Dynamisches Geometriesystem als Werkzeug

Im Rahmen von diversen Gedankengängen für meine Promotion dreht sich momentan Einiges um die kulturhistorische Theorie. Eine zentrale Annahme darin ist, dass sich die Gesellschaft  ihre jeweiligen Verhaltensmuster mithilfe der Instrumente oder Werkzeuge der materiellen Welt formt. Also frage ich mich,  wie sich der Einsatz von spezifischen Computerprogrammen als Artefakte der Kultur auf die onto- und phylogenetische Entwicklung auswirken.

Ist ein dynamisches Geometriesystem im Sinne der kulturhistorischen Theorie ein Werkzeug?

Egal was ich recherchiere, google, oder lese, eine Antwort auf die o.g. Frage finde ich bisher nicht:

Das Buch „Lerntätigkeit-Lenrnen aus kultur-historischer Perspektive“ liefert einen selten dagewesenen guten Überblick über die kulturhistorische Theorie und gibt Anregungen für ein neues Verstäniss von Lehren und Lernen. Der Bereich Computer und „neue Medien“ wird allerdings 2006 nur am Rande bearbeitet.

Die Arbeit von Katja Manski „Lernen im Medienumbruch“ geht u.a. kritisch mit gängigen Medientheorien um. Besonders gut gefällt mir die duale Sicht auf  Medien sowohl als „Technisches Substrat“ wie auch als „Bedeutungsgenerierende Instanz“.

Andere Arbeiten befassen sich mit CSCL-computer supported collaborative learning. Michael Klebl, der an der Fernuni Hagen eine Juniorprofessur hat, betont in seiner Antritssvorlesung 2006 zwar sehr gut den in der  kulturhistorischen Schule zentralen Begriff der Tätigkeit, beantwortet aber meine Frage auch nicht.

Zone of proximal develoment

Im Rahmen des Tages des Wissenschaftlichen Nachwuchses an der Pädagogischen Hochschule in Ludwisgburg, hat am letzten Freitag Prof. Dr. Schnotz von der Universität Koblenz-Landau einen Vortrag gehalten: „Wie anstregend muss Lernen sein?“

Hierbei wurden Teile der Cognitive Load Theory mit der Idee der Zone der nächsten Entwicklung (engl. Zone of proximal development, kurz ZPD) von Vygotsky kombiniert. Die Art und Weise wie ein einzelnes Stück aus der Theorie von Vygotsky herausgenommen wird und m.E. auch noch teilweise nicht im vollen Kontext erfasst wird, habe ich bei der ZPD schon öfters erlebt.

Vygotsky hat das Konzept der ZPD in seinem Spätwerk 1933 erstmals ausgeführt. Wolfgang Jantzen weist in seinem Aufsatz „Die Zone der nächsten Entwicklung -neu betrachtet“ die Begriffsgenese deatiliert nach. Ausgehend von einem Theoriedefizit bei der psychologischen Analyse der Unterrichts entwickelt Vygotsky u.a. folgenden Gedankengang:

Bisherige Theorien beschreiben nur unzureichend den Zusammenhang zwischen Entwicklung und Lernen.  Will man die Beziehungen zwischen dem kindlichen Entwicklungsprozess und den Lernmöglichkeiten erforschen, muss man zwischen zwei unterschiedlichen Entwicklungsstufen unterscheiden: Der Stufe auf der ein Kind ohne fremde Hilfe Aufgaben bewältigen kann und der Stufe, die ein Kind mit Hilfe anderer erreichen kann. Der Raum der dazwischen liegt und das darin enthaltene Potential beschreibt Vygotsky als Zone der nächsten Entwicklung:

It is the distance between the actual developmental level as determined by independent problem solving and the level of potential development as determined through problem solving under adult guidance or in collaboration with more capable peers.

Der Gedankengang des Potenials der Funktionen die innerhalb der ZPD liegen, wird durch die Übersetzung u.a. von Bernd Fichtner deutlich:

Funktionen die noch nicht ausgereift sind, sondern sich im Reifungszustand befinden. Funktionen, die morgen reif sein werden, sich aber jetzt in einem embryonalen Zustand befinden. Diese Funktionen sollte man als Knospen oder Blumen der Entwicklung bezeichnen, und nicht als Früchte der Entwicklung

Im Kontext der kulturhistorischen Schule ist hier vor allem der Aspekt der Kooperation, der Interaktion mit Anderen bedeutsam. Lernen kann so als spezifisch humaner Prozess gesehen werden, der dem Entwicklungsstand immer eine Stufe voraus ist.

Vernetzung

Der Begriff der Vernetzung ist seit Jahren so präsent, dass er für mich schon inflationär ist. Die Welt ist technisch durch das Internet vernetzt, beruflich soll ich Netzwerke bilden, privat natürlich auch….

Als Gedanken habe ich Bilder von eher radialen Spinnennetzen, oder auch von Fischernetzten mit einer unterschiedlichen Maschenweite im Kopf. Meine Gedanken gehen dabei immer wieder zwischen dem eigentlichen Material – also dem Faden der Spinne, oder dem Tau des Fischers- und den Zwischenräumen hin und her. So richtig zufrieden war ich mit dem Gedankengang an ein Netzwerk bisher nicht.

Seit einigen Tagen bin ich in einem Netzwerk Mitglied, dass sich als  Bild der Vernetzung die Maschen in Maschendrahtzäunen gewählt hat. Von der aktiven Teilnahme in dem Netzwerk erhoffe ich mir einen regen Austausch zwischen Studenten und Lehrenden.

E-Learning und E-Teaching

Unter dem o.g. Titel biete ich an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg ein Seminar für zukünftige Lehrer an. Nachdem ich die Erwartungen der Studenten geklärt habe sind wir mit etwas Theorie gestartet, haben in Mindmeister eine Map zum Thema Lernen gestaltet und Christian Spannagel hat mit den Teilnehmern gewtittert.
Ein unter Moodle eingerichtetes Forum zu den Begriffen Kommunikation und Kollaboration wurde nur schwach besucht. Auf Rückfrage wurde mir u.a. geantwortet, dass so viele andere Seminare paralell laufen, die automatische Zusammenfassung der Forumsinhalte per Mail als gelesen markiert und dann gelöscht wird, die Begriffe Kommunikationund Kollaboration zu abstrakt und theoretisch sind.

Wir haben vereinbart, dass ich mich um einen Expertenchat zum Thema E-Learning in der Schule kümmern werde. Hierbei soll einerseits der Praxisbezug zu einer externen Person ermöglicht werden, andererseits soll Kommunikation im Kontext von E-Learning erlebbar werden.