Zone of proximal develoment

Im Rahmen des Tages des Wissenschaftlichen Nachwuchses an der Pädagogischen Hochschule in Ludwisgburg, hat am letzten Freitag Prof. Dr. Schnotz von der Universität Koblenz-Landau einen Vortrag gehalten: „Wie anstregend muss Lernen sein?“

Hierbei wurden Teile der Cognitive Load Theory mit der Idee der Zone der nächsten Entwicklung (engl. Zone of proximal development, kurz ZPD) von Vygotsky kombiniert. Die Art und Weise wie ein einzelnes Stück aus der Theorie von Vygotsky herausgenommen wird und m.E. auch noch teilweise nicht im vollen Kontext erfasst wird, habe ich bei der ZPD schon öfters erlebt.

Vygotsky hat das Konzept der ZPD in seinem Spätwerk 1933 erstmals ausgeführt. Wolfgang Jantzen weist in seinem Aufsatz „Die Zone der nächsten Entwicklung -neu betrachtet“ die Begriffsgenese deatiliert nach. Ausgehend von einem Theoriedefizit bei der psychologischen Analyse der Unterrichts entwickelt Vygotsky u.a. folgenden Gedankengang:

Bisherige Theorien beschreiben nur unzureichend den Zusammenhang zwischen Entwicklung und Lernen.  Will man die Beziehungen zwischen dem kindlichen Entwicklungsprozess und den Lernmöglichkeiten erforschen, muss man zwischen zwei unterschiedlichen Entwicklungsstufen unterscheiden: Der Stufe auf der ein Kind ohne fremde Hilfe Aufgaben bewältigen kann und der Stufe, die ein Kind mit Hilfe anderer erreichen kann. Der Raum der dazwischen liegt und das darin enthaltene Potential beschreibt Vygotsky als Zone der nächsten Entwicklung:

It is the distance between the actual developmental level as determined by independent problem solving and the level of potential development as determined through problem solving under adult guidance or in collaboration with more capable peers.

Der Gedankengang des Potenials der Funktionen die innerhalb der ZPD liegen, wird durch die Übersetzung u.a. von Bernd Fichtner deutlich:

Funktionen die noch nicht ausgereift sind, sondern sich im Reifungszustand befinden. Funktionen, die morgen reif sein werden, sich aber jetzt in einem embryonalen Zustand befinden. Diese Funktionen sollte man als Knospen oder Blumen der Entwicklung bezeichnen, und nicht als Früchte der Entwicklung

Im Kontext der kulturhistorischen Schule ist hier vor allem der Aspekt der Kooperation, der Interaktion mit Anderen bedeutsam. Lernen kann so als spezifisch humaner Prozess gesehen werden, der dem Entwicklungsstand immer eine Stufe voraus ist.

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4 Antworten zu “Zone of proximal develoment

  1. Vielen Dank für diese Begriffsklärung!

    Was genau ist der Unterschied zwischen deiner Darstellung und der von Schnotz?

  2. Es gibt u.a. folgende Unterschiede:

    Schnotz sieht die Möglichkeit, dass die Hilfe beim Lernen duch eine Computer erfolgt. Korrekterweise muss er dann auf die Activity Theory (u.a. Yriö Engeström) verweisen und darf nicht nur den Namen Vygotsgy und ZPD verwenden.

    Weiter ist Schnotz der Asicht , „Lernen“ lässt sich „herstellen“. Die pädagogische Handlung muss nur eben in der ZPD stattfinden und dann wird gelernt. Das ist mir zu kurz gegriffen.

    Florian

  3. Uh, ja, mit der Zone der nächsten Entwicklung wird viel Vereinfachung betrieben!
    Ja, Fichtner ist gut! Von dem gibt es ein gutes Buch: Lernen und Lerntätigkeit. Die kulturhistorische Schule der dritten Generation (Zeitgenossen Engeströms) in Deutschland ist gerade dabei, die KHT mit Systemtheorie und Medientheorie/Mediengeschichte zu verbinden. Das ist hoch interessant! Namen: Hanns-Werner Erdmann, Georg Rückriem, beide Berlin.

  4. Die Dissertation von Katja Manski „Lernen im Medienumbruch“, zu kriegen über die ICHS-Website soll ganz vorzüglich sein, habe ich mir von den CHAT-Leuten sagen lassen.

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