Lehren als Lernbehinderung?

Durch die Diskussionen um LdL angeregt, haben mich grundsätzliche Gedankengänge zum Thema Lernen und Lehren bewegt:

Das „Problem“ des Lernens und Lehrens hat für mich besonders prägnant Klaus Holzkamp formuliert. Bereits 1991 veröffentlicht wurde der Aufsatz „Lehren als Lernbehinderung“

Hier weisst Holzkamp unter anderem auf, dass das Lehren und Lernen eine (schul-) strukturelles Problem ist und das die Institution Schule mit ihren Kontrollmechanismen per se schon Widerstände bei den Lernenden erzeugt.

Diese Widerständigkeit gilt es meines Erachtens als Lehrperson wahr- und ernstzunehmen. Die Reflektion dieser Widerständigkeit und das Nachdenken über die eigene Bildungssozialisation kann dann zu einem anderen Lehrverhalten führen.

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8 Antworten zu “Lehren als Lernbehinderung?

  1. Ich denke, der hier verlinkte Aufsatz zeigt sehr schön was bei LdL wichtig ist. LdL wird wohl genau dann erfolgreich sein, wenn „komplexe“ Probleme im Raum stehen. Wenn durch Schüler nicht unterrichtet wird, sondern Mitdenken angeregt wird und erwünscht ist. Schüler als Experten für bestimmte Themen. Der Lehrer bleibt oder ist wohl der Experte für Gesprächskultur und Methoden, aber nicht unbedingt für Inhalte.

  2. @elijo Richtig. Dies erfordert natürlich ein starkes Umdenken auf der Seite des Lehrers. Er muss Fehler bei sich zulassen und sich selbst – zumindest inhaltlich – als Teil der Lerngruppe begreifen. Das fällt nicht jedem leicht. Wer aber diesen Schritt wagt und bereit ist, Kontrolle aufzugeben, wird – davon bin ich fest überzeugt – früher oder später davon ungeheuer profitieren.

  3. gedankengang

    @elijo und cspannagel: Ich sehe das radikaler und pessimistischer:
    Holzkamp macht deutlich, dass das System Schule als Kontrollinstanz angelegt ist. Innerhalb dieses Systems können Schüler überleben, wenn sie den Weg des defensiven Lernens wählen. Konkret, es wird Lernen vorgetäuscht, es werden die Antworten gegeben, die der Lehrer hören will.
    Durch ein Umdenken auf Seite der Lehrer kann ein „anderer“ Untericht stattfinden, der im Idealfall einem Schüler ein „anderes“ Lernen ernöglicht. Aber das System Schule ändert sich dadurch nicht.

  4. @gedankengang Ich sehe das genauso und nicht viel optimistischer. Die Veränderungen finden im Kleinen statt – also in der konkreten Schulstunde, und nicht im großen.

  5. portafoglia

    Meiner Meinung nach sind es nicht nur die Kontrollmechanismen, die diese Widerstände erzeugen, sondern ebenso die vorgegebenen Inhalte und Lernfelder, die ‚abgearbeitet‘ werden müssen. Da diese oftmals keine Relevanz für den/ die Einzelne/n haben, findet eben (nur) defensives Lernen statt, um Kontrolle und Bestrafung zu entgehen.

  6. Die Schwierigkeit (für die Lehrperson) besteht nun darin die, individuell relevanten Inhalte zum Unterrichtsgegenstand (für die/ den Einzelne/n) zu machen oder den relevanten Aspekt für alle zu verdeutlichen… (und gleichzeitig die Vorgaben des Systems zu erfüllen)

  7. gedankengang

    @portafoglia
    Die Kontrollmechanismen sind die prägenden, strukturellen Bedingungen im System Schule. Diese sind nach Holzkamp auch so gewollt, um die Institution Schule überhaupt am laufen zu halten.
    Untericht kann dann gelingen und für alle Beteiligten als“gut“ empfunden werden, wenn eine Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler entsteht (Holzkamp beschreibt das u.a. an seinem Musiklehrer)

    Dies setzt aber das radikale Anerkennen des jeweils anderen als Subjekt vorraus und ist im Alltag eine schwere Übung.

    nwieweit ein Lehrender die Individualität der Schüler aktzepieren kann

  8. Stimmt. Diesen Beziehungsaspekt hatte ich gar nicht im Blick. Das radikale Anerkennen des anderen als Subjekt müsste dann allerdings auch das Akzeptieren einer möglichen Lernverweigerung bedeuten – als Lehrer/in einen sehr schwere Übung! :o)

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